Gestern nach Appingedam – ein Abenteuer oder „der Bus nach Leer“

Das bezieht sich hauptsächlich auf die Fahrten mit Bahn, Bus, Bahn, Suchen nach Informationen über die Abfahrtsstelle, Irritationen zu veralteten Fahrplänen und daraus resultierende Unsicherheiten meinerseits, ob der Bus nach Leer überhaupt fährt – es ist ja Samstag. Herumirren in Bad Nieuweschans auf der Suche nach einem „Bahnhof“ in der Dunkelheit, nicht glauben wollen, dass es keinen warmen Aufenthaltsraum oder Warteraum gibt, schließlich finde ich einen Menschen, der meine Zweifel, ob überhaupt ein Bus nach Leer noch fährt, mit jugendlichem Charme vertreibt und ich auf einmal fast fließend Englisch sprechen kann. Diese Situation des totalen Imstichgelassenseins und sich schon erfroren an der Bushaltestelle sitzend sehend, bis am Sonntag früh der Bus nach Leer schließlich eintrifft, wird sich bei mir einbrennen. Aber das ist ja alles nicht passiert, denn der Bus nach Leer trifft ein, aber der nette Fahrer muss erstmal seinen Bus ausfegen, das deutsche Häufchen Dreck fegt er ohne groß zu überlegen mit Schwung auf niederländischen Boden, die Hinterlassenschaften in den Papierkörben landen auch im königlichen Abfallkorb. Als ich ihm sagen will, wie sehr ich mich darüber freue, dass der Bus nach Leer überhaupt fährt, versteht er meine Freude nicht, denn es steht ja fest, dass der Bus nach Leer fährt. Das kleine Weener wird auf allen Straßen durchfahren, dadurch lerne ich den Ort im Dunkeln etwas kennen. Angekommen in Leer-Bahnhof pünktlich, stehe ich ziemlich sinnlos in der „Empfangshalle“, Buchladen zu, Bäcker zu, Mann schläft in der Fotokabine, nach einer Weile bekommt er Hunger und holt aus einem unverschlossenen Gepäckfach eine runde Form mit Inhalt, den er mangels Löffel mit der offenen Hand angeht und die Hand zum Mund führt. Zwei Girls posen, klappern mit den zentimeterlangen Wimpern und schieben die Lippen vor. Bei all diesem spannenden Szenario übersehe ich den IC, den ich eigentlich auch hätte nehmen können, um nach Emden zu kommen. Ich ärgere mich. Also bewege ich mich, um die Kälte abzuwehren und warte auf den Regionalzug, der eine Männergruppe auspuckt, die ein klebriges, nach Bier stinkendes Abteil hinterlassen, in dem die Flaschen noch stehen und die Dosen zu rollen beginnen. Ich ärgere mich.

Aber Stunden vorher habe ich mich gefreut, Bernard zu sehen wie er mir die Türe zum De Kunsthof in Appingedam öffnet und mir die noch bis zum 13. Dezember 25 laufende Ausstellung zeigt. Es ist eine Doppelausstellung, Marten Klompien (1917-1996) und Bernard Divendal (1952), beide zeigen Malerei. Die Ausstellung hängt in einem wunderbar hellen Raum, durch die Fenster sehe ich Wasser und beiden Künstlern wird jeweils ein Teil des Raumes überlassen. Ich gehe nahe an Bernards Bilder, verfolge die Pinselstriche, die das Machen zeigen und genieße die entstandenen Formen, die Komposition und die Farbigkeit. Leise Wehmut überkommt mich; leider gibt es solche schönen Ausstellungsmöglichkeiten in Ostfriesland nicht, für die man sich bewerben kann und die von einer unabhängigen, wechselnden Jury kuratiert wird.

Heimfahrt siehe oben.

„Stadtbild“ gucken

Bahnhof Emden, 8.11. kurz vor 9 Uhr, eine enorme Schlange vor der Bäckereitheke. Entdecke, dass im Zeitschriften- und Buchladen auch Kaffee verkauft wird.

Kunsthalle Recklinghausen, 8.11, 11.30 Uhr, werde sehr nett begrüßt mit der Mitteilung: pay what you want!

Laufe mit großer Neugierde durch die Ausstellung. Bin überrascht, so viel Offenheit und Unangepasstheit zu sehen. Viel Ausprobieren und Hinweise auf das Leben und die Arbeiten der unter 35jährigen (ich meine das war das Höchstalter bei den Bewerbungen um den Kunstpreis).

Die Preisträgerin Jeehye Song bekommt eine ganze Etage und überzeugt mich sehr.

Ausschnitt

…wieder draußen

zurück zum Bahnhof Recklinghausen, bei Crobag, Ungesundes gegessen und dabei einem kleinen Jungen mit seiner Mutter zugesehen, wie achtsam er mit seiner großen Schachtel – wahrscheinlich ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk – umging und es nicht aus den Augen ließ und dauernd versuchte, zum Abstellen einen noch sicheren Platz zu finden und immer wieder darüber nachdachte, wo oben und unten war, damit das Teil ja in der richtigen Richtung an der Wand lehnte.

Hauptbahnhof Bochum, 8.11.25, 15 Uhr, weil der Rucksack mir zu schwer war, ein Taxi zum Kunstbunker genommen. Der Taxifahrer konnte den deutlich gesprochenen Straßennamen nicht verstehen, rätselte eine Weile, erst als ich den Namen auf dem handy zeigte ging es los. Über das kleine Trinkgeld war er nicht begeistert.

Im Kunstbunker ist alles wunderbar zum Hängen vorbereitet, Claudia ist da und wir haben für die schwierigen Wände eine gute Lösung gefunden. – Mich an den Boulespielern vorbeigeschlichen, in der Hoffnung nicht von einer schweren Kugel getroffen zu werden. – Das Ibis ist jetzt B&B, die Zimmer sind dieselben, ich werde nicht mehr wie eine Alte Bekannte begrüßt, das Bett ist gut, ich schlafe wie ein Stein.

Hauptbahnhof Duisburg, 9.11.24, 10.30 Uhr, zu Fuß zum Museum Küppersmühle. Obwohl es noch nicht 11 Uhr ist, läßt man mich herein und ich bekomme den ermäßigten Künstler*innen-Eintritt.

Bis zum 25.01.2026 ist noch die Ausstellung „Susan Hefuna – passage“ zu sehen. Es war eine große Freude vor allen Dingen ihre Zeichnungen zu sehen.

Über Hamm Hauptbahnhof, dem schrecklichsten Bahnhof, den ich kenne, an zweimal Erbrochenem vorbei, in den Zug nach Münster mit einer Herrentruppe ohne Alkohol aber mit blöden Sprüchen und ihren schlafenden Begleiterinnen. Aufenthalt in Münster genutzt beim „guten Bäcker“ H.Krimphove und trotz der unfassbar abgerockten Sessel ein herrliches Stück Spinattarte gegessen.

Der Pendelzug nach Emden sehr voll, weil wegen Bauarbeiten zwischen Leer und Emden nur jeder zweite Zug fährt oder wesentlich langsamerer Schienenersatzverkehr. Konnte mir intensiv den Unterschied zwischen zwei gleichaltrigen Mädchen, evtl. 8 Jahre alt, ansehen, die eine aus der Ukraine und die andere schüchterne wahrscheinlich aus Syrien. Dann noch einem jungen Mann zuhören, wie er eine junge Frau anbaggerte. Putinversteher und auch schon beim Einsteigen durch seine agressive Art mir unangenehm aufgefallen. Kurz vor Emden wurden wir Fahrgäste noch auf eine harte Probe gestellt, der Zug fuhr durch die Baustellen im Schritttempo.

Schön wieder zuhause zu sein. Tom wollte Futter. Tatort: irgendwie passte er genau zu den Fahrten durchs Ruhrgebiet und seltsamerweise gut zur Ausstellung „Junger Westen“ in Recklinghausen. Der Generationenabstand und das Nichtverstehen nehmen zu.

Kunstbunker Bochum – KleinFeinViele – Eröffnung 14.11.25 (17 h) —13.12.25

Es ist jedesmal ein Ereignis für mich, in diesen guten Räumen mit ausstellen zu können. Dieses Mal ist der Transport nach Bochum mit meinen drei kleinen Arbeiten einfach, ich fahre mit der Bahn und nehme sie im Rucksack mit.

Der Bochumer Künstlerbund feiert im Jahr 2026 sein 80jähriges Bestehen. Das ist unglaublich wie lebendig er ist und wie gut er gemanagt wird.

Alberto Giacometti in der Kunsthalle Bremen

hier beim Überqueren der Rue d’Alésia, 1961, Fotografie von Henri Cartier-Bresson. Die Spiegelungen entstanden beim Fotografieren in der Kunsthalle.

Mir kam in dieser sehr schönen Ausstellung der Gedanke, ob die Gebilde unter den Köpfen wohl ein Abbild der Berge sind, die für Giacometti so wichtig waren?

Judy Chicago: Revelations in der Kunsthalle Recklinghausen vom 4.5. bis 17.8.2025

Judy Chicago (*1939) war mir hauptsächlich durch The Dinner Party (1974-1979) bekannt. Es hat mich ziemlich umgehauen, was von ihr in der Kunsthalle Recklinghausen gezeigt wird. Es gibt viel zu lesen, viele Interviews, Videos, Vorarbeiten der Dinner Party, Fotos vom farbigen Rauch und Feuerwerk usw.

Vorarbeiten zur Dinner Party

Am meisten haben mich die Arbeiten berührt, die ihr Interesse und Judys Einsatz für die bedrohte Umfeld zeigen. Hier verwundbare, benutzte, verletzte und verwaiste Bäume von 2014.

Die schöne Handschrift von J.Ch. wird souverän als Bildelement benutzt.

Die Ausstellung ist sehr sehenswert, die Führungen zu empfehlen.

Gestern in Wilhelmshaven

Kurz vor Ende der Ausstellung Nordwestkunst in der Kunsthalle Wilhelmshaven habe ich es geschafft, mir die Ausstellung anzusehen. Vor der Kunsthalle stand eine Leiter, auf dem Dach sah ich etwas das ein Mensch oder eine Puppe hätte sein können. Aha, eine Künstlerarbeit.

Nein, war es nicht, denn im Innenraum hörte ich den Dacharbeiter. Dafür waren die diversen Abspielgeräte wegen eines kürzlichen Stromausfalls noch leblos.

Begeistert hat mich eine große Arbeit von Isabell Schulte, part IX von 2021, Buntstift und Bleistift auf Papier. Für mich wie ein Wimmelbild das mich anzieht, aber mir nicht sagen kann, was ich da sehe.

Stand der Dinge – aktuelle Positionen -Ausstellung 1 – Zwischenbilanz VIII – Bochumer Künstlerbund im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade vom 1. März bis zum 6. April 2025

Es war eine fulminante Eröffnung – mit Musik und vielen Besuchern in diesen schönen Räumen.

Leider habe ich vergessen meine Dreiergruppe zu fotografieren. Daher zeige ich hier stellvertretend diesen kleinen Linolschnitt, der auch auf Kemnade zu sehen ist. Er ist mit drei Platten gedruckt. Was das hier im Kreis zu sehende Zeichen bedeutet, konnte ich bis jetzt nicht herausbekommen. So startete ich einen neuen Versuch: Im Schienenersatzverkehr zwischen Bochum und Dortmund saß ich neben einem mir chinesisch anmutenden Passagier. Ich zeigte ihm dieses Foto. Nein, er konnte mir nicht helfen. Er war ein Uigure. Aber wir haben dann noch über das Drucken mit Holz und Linoleum gesprochen.

L’AIR DU TEMPS von Nina Ricci

ja, dieses Parfum gibt es noch immer! Ich habe es in den Achtzigern in Paris als Mitbringsel für meine Mutter gekauft und nun für mich, damit ich durch den Duft an sie erinnert werde.

Wieder da!

Dieses Bild „Warten auf den Präsidenten“ von 2004 habe ich bei einer Ausstellung im Kreishaus Aurich an den damaligen Landrat verkauft. Bis zum Umbau des Kreishauses hing es im Foyer. Danach wurde es ersteinmal aufbewahrt bis ein guter Platz gefunden wird. Nun hängt es an guter Stelle vor dem Dienstzimmer des Landrates. Das paßt. Vielleicht noch ein kleines Schild in die Nähe des Bildes mit dem Namen der Künstlerin, Jahr, Technik. Dann bin ich zufrieden.

Theater Lazarett – gestern

80 Minuten Eike Schmidt beim Spielen zuzusehen ist eine großartige Sache. Vieles erwacht zum Leben: die kleine Rathausfassade: dort leuchtet ein Fenster auf, wenn dahinter die Ratsherren darüber diskutieren, was es mit dem Meeresungeheuer auf sich hat; die Nautilus, die als Modell über dem Aquarium steht, in dem sich die Forscher, Haie und anderes Getier tummelt, das mit dem eingesammelten Grünzeug verspeist werden kann; die kleine Südseelandschaft mit Palmen und dem Vulkan, der sich öffnet und Einblicke preisgibt; schließlich die Eislandschaft, in der die gestrandete Mannschaft aufgibt und wieder zurück zur Nautilus stapft. Das Spielen mit den kleinen wunderbar neutralen Körpern, aber mit Charakterköpfen und Stimmen (von Eike Schmidt) findet auf der gesamten kleinen Bühnenfläche statt, unterstützt von Lichteffekten, begleitender Musik und einer Erzählerstimme.

Als ich wieder nachhause fuhr und darüber nachdachte, warum mich diese Vorführung so begeistert hat, verpasste ich in Gedanken versunken eine Abzweigung und war deshalb länger unterwegs. Rechts und links gab es Feuerwerk.